10. August 2012

München-Venedig: Drei Etappen an einem Tag - Piz Boè bis Rifugio Tissi


10. August 2012

Heute war ich der erste, der im Lager aufgestanden ist, denn um 8 Uhr wollte ich schon zum Frühstück im Rifugio Pordoi sein. Nachdem Horst das Rifugio Boè gestern nicht gefallen hatte und er noch eine Stunde weiter gelaufen ist, wollen wir uns heute zum Frühstück wieder treffen. Schnelle Katzenwäsche - Wasser ist knapp hier oben - und Punkt 7 Uhr geht es los. Ich bin ganz alleine unterwegs, nur ein paar Dohlen krächzen über mir.

Das Wetter ist fantastisch und der Weg zum Pordoi-Joch ist ein Traum!

Rifugio Boè

Von der Hütte geht es ein paar Meter nach oben und schnell gerät sie außer Blickweite. Aber schon bald sehe ich die Bergstation der Seilbahn und das kleine Rifigio Pordoi. Der Weg führt um einen gewaltigen Kessel herum, das abgedroschene Wort von der Mondlandschaft passt hier genau. 

Rifugio Boè


Weg zum Pordoi-Joch

Blick zum Rifugio Pordoi

Doch nicht ganz allein

Ich bin wirklich froh, daß ich nicht gestern müde und geschafft bei bewölktem Himmel hier entlang gelaufen bin, sondern heute ausgeruht und bei bestem Wetter. Nach 45 Minuten erreiche ich das Rifigio Pordoi am Sass Pordoi. Tagsüber ist hier vermutlich einiges los und die Hütte voller Seilbahn-"Wanderer", aber als ich kurz vor 8 Uhr frühstücke, sind außer Horst nur ein paar Kletterer und der Hüttenwirt da.

Wir gehen noch einmal unsere Planung durch, denn heute haben wir einiges vor und sind uns noch immer nicht ganz sicher, ob wir das auch schaffen werden. Die Etappen 17 (4 Std), 18 (5:45 Std) und 19 (3:15) aus dem Rother Führer wollen wir an einem Tag schaffen. Das klappt nur mit Hilfe von Seilbahn und Bus, aber wir haben beide keine Lust auf den lang Hatsch im Tal entlang der Straße vom Fedeia-See bis nach Alleghe und werden die Strecke von Etappe 18 mit dem Bus überbrücken. München-Venedig-Puristen zucken bei den Worten Bus und Seilbahn vermutlich zusammen, aber wir sehen das etwas lockerer. Aber auch mit dem Bus wird das heute ein langer Tag!

Blick Richtung Norden vom Rifugion Pordoi

Blick Richtung Süden: Unter der Pordoi-Paß, dahinter die Marmolada

Nach dem Frühstück laufen wir 20 Minuten hoch zur Bergstation der Seilbahn und rauschen dann in 4 Minuten mit der ersten Bahn des Tages runter zum Paß. Das hat uns sowohl 600 Höhenmeter Abstieg durch ein Geröllfeld als auch ca. 90 Minuten Zeit gespart.


Blick nach unten

Blick zum Abstieg

Unten am Pordoi-Paß

Nachdem Wasser auf dem Rifugio Boè nur gegen Bares zu haben war, füllen wir in der Talstation erst einmal unsere Trinkwasservorräte auf und laufen dann die Paßstraße entlang bis zum Wanderweg hoch zum Rifugio Fredarola. Wir sind schnell oben, auf den 150 Höhenmetern überholen wir wieder jede Menge Italiener die mit Kind und Kegel (und unpassender Ausrüstung) unterwegs sind. Von hier aus haben wir einen tollen Blick auf die Marmolada und folgen dem wunderschönen Bindelweg (Viel del Pan) bis zum Rifugio Viel dal Pan.


Bindelweg

Rifigio Viel dal Pan

Bindelweg

Die Hütte scheint ziemlich neu zu sein, hier kann man sicher gut über Nacht bleiben (die Etappe 17 endet hier). Während wir einen Cappuccino und ein Radler trinken, frage ich den Hüttenwirt nach dem Busfahrplan vom Fedaia-See nach Alleghe. "Einer in 50 Minuten, einer in 4 Stunden" erfahren wir. Der Rother gibt 90 Minuten für die Strecke an, der Hüttenwirt meint, wenn man schnell ist, könnte man es auch in 50 Minuten schaffen. Also schnell ausgetrunken und los geht es. Im Schweinsgalopp spurten wir den Bindelweg weiter Richtung Osten, irgendwann geht es dann auf einem schmalen Steig steil bergab und wir geben alles. Nach 48 Minuten sind wir unten am See an der Bushaltestelle am Fedaia-See! Der Bus kommt dann übrigens 20 Minuten zu spät, wir hätten also auch ganz gemütlich gehen können ...


Bushaltestelle

Busfahrer

Alleghe

Zitat aus dem Rother Wanderführer: "Ein Spaziergang gehört zu jeder Fernwanderung". Naja, kann sein, aber wir haben keine Lust auf einen Spaziergang und wollen uns den Hatsch nach Alleghe sparen. Wir machen es uns im Bus gemütlich und 40 Minuten später steigen wir in Alleghe aus, füllen auf der Bank unsere Geldvorräte auf und gönnen uns eine Pizza in der Pizzeria Rudatis (empfehlenswert, kurz vor der Seilbbahn). Horst hat eine Glanzleistung vollbracht und seinen Wanderhut im Bus liegen lassen, aber in Alleghe gibt es zum Glück auch ein Sportgeschäft.  Hier in Alleghe endet Etappe 18.

Für den Aufstieg zur Tissi-Hütte empfiehlt der Rother die Benutzung der Seilbahn bis nach Coi. Wir sind keine Puristen und machen das auch genau so. Um 13:40 Uhr sind wir 1000 Höhenmeter über Alleghe am Col dei Baldi und folgen einem geschotterten Fahrweg wieder 100 Höhenmeter bergab bis zur Forcella de Alleghe

Blick auf die Forcella de Alleghe

Die 300 Höhenmeter bis zum Rifigio Adolfo Sonino al Coldai klingen nach nicht viel, aber es ist heiß und schwül und der Weg sehr steil. Als wir nach einer Stunde endlich oben ankommen, stehen wir im eigenen Saft und freuen uns auf ein Radler. Nur Minuten nachdem wir die Hütte erreicht haben, fängt es wie aus Eimern zu schütten an - Glück gehabt! Wir warten auf das Ende des Schauers und laufen dann über eine Scharte zum Lago Coldai.


Rif. Coldai

Richtung Forcella de Alleghe

Weg zur Tissi-Hütte

Nach dem Gewitter ist es unangenehm kalt und windig geworden. Es geht hoch zur Forcella di Col Negro (2203 m), hier haben wir den ersten Blick auf die Civetta-Wand. Von hier aus sehen wir einen Weg der sich ohne großen Höhenverlust am Fuß der Wand entlang zieht. Aber sowohl der Wanderführer als auch ein angebrachtes Schild warnen vor diesem Weg wegen Steinschlag-Gefahr und so müssen wir wieder knapp 200 Höhenmeter in eine Mulde auf ca. 2000 Meter absteigen um dann die gleichen 200 Höhenmeter (und 60 mehr) wieder hoch zu laufen.

Die Civetta

Um 17:30 Uhr erreichen wir ziemlich K.O. die Tissi-Hütte - für heute reicht es! Die letzten Höhenmeter waren sehr steil und haben uns den Rest gegeben. Auf der Hütte bekommen wir zuerst nur ein Bett im Notlager, können dann aber doch noch in ein schönes Zimmer umziehen. 

Col Rean

Die Tissi-Hütte (2260 m) liegt absolut fantastisch! Gegenüber die Wand der Civetta und oberhalb der Hütte das Gipfelkreuz des Col Rean! Vom Gipfelkreuz aus sieht man Alleghe knapp 1300 Meter unter sich liegen, direkt an der Kante stehend nach unten zu schauen ist der absolute Wahnsinn! Ich kann mich kaum satt sehen und bleibe bis zum Sonnenuntergang oben am Gipfelkreuz.

Die Tissihütte kommt in einigen Reiseberichten die ich zuvor gelesen hatte nicht gut weg. Ich fand die Hütte aber recht nett und vor allem die Hüttenwirte sehr freundlich. Der Rotwein kommt aus der Zapfanlage wie normalerweise Bier und der halbe Liter Rotwein ist mit 5,- € billiger als eine Flasche Bier (5,50 €). Nachdem wir ja drei Etappen an einem Tag gemacht haben, treffen wir keine bekannten Gesichter auf der Hütte, lernen aber dafür zwei ganz erstaunliche Frauen kennen, die beide schon fast 70 Jahre alt sind. Sie laufen zusammen mit einer Gruppe vom DAV-Summitclub Richtung Venedig, aber ich habe das Gefühl, daß sie ganz froh sind, mal mit jemand anderem an Tisch zu sitzen. Auf jeden Fall ein sehr interessanter Abend.

Kommentare:

  1. Lieber Klaus, ich glaube, Du verwechselst das kleine Rifugio Forcella Pordoi (Pordoijochhütte) mit dem großen Rifugio Maria! Im übrigen: Tolle Berichte und Fotos, weiter so!! Petra

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    1. Du hast natürlich recht, habe es korrigiert.

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